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"Kein Wunder, dass sie fliehen" Italien verschärft seine Vorgangsweise gegen wandernde Roma und Sinti - Der Effekt: Immer mehr verschlägt es nach Tirol Dort ist man auf einen möglichen Ansturm freilich nicht vorbereitet.
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Innsbruck – "Wir suchen Arbeit. Können Sie uns helfen?", fragten die dunkelhäutigen Männer mit dem Wohnwagen bei einem Sozialprojekt in der Innsbrucker Kapuzinergasse an: Nicht auf Deutsch, sondern auf Italienisch. Im Gebäudekomplex sind mehrere Vereine untergebracht, es ist ein typischer Anlaufpunkt für in Innsbruck Gestrandete. Steffen Arora von der Straßenzeitung "20er" konnte den Männern zwar auf die Schnelle nicht helfen, aber er konnte sie einordnen: "Sie hatten einen rumänischen Pass, wahrscheinlich Roma, die aus Italien geflüchtet sind."
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"Kein Wunder, dass sie fliehen" Italien verschärft seine Vorgangsweise gegen wandernde Roma und Sinti - Der Effekt: Immer mehr verschlägt es nach Tirol Dort ist man auf einen möglichen Ansturm freilich nicht vorbereitet.
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Wiedereinführung der Personenkontrollen
Mit Anfang Juli soll in Italien das neue, umstrittene Ausländerrecht in Kraft treten, mit dem das Land seine Außengrenzen wirksamer abschotten will. Schon jetzt, während der EURO, mit der vorübergehenden Wiedereinführung der Personenkontrollen, verschärft Rom seine Gangart gegen "Illegale". Besonders im Fokus stehen dabei die Roma und Sinti, die meist aus Rumänien einreisen. Um gegen sie vorgehen zu können, führt die Regierung Berlusconi Immigrationsbestimmungen auch für EU-Bürger ein. Roma und Sinti können allerdings kaum "eingeordnet" werden. Es ist europaweit nicht einmal klar, wie viele es gibt. Die Mitglieder der Volksgruppen werden auf 15 bis 20 Millionen geschätzt.
Tirol eine Zwischenstation
Gitta Martl ist selbst Sinti. Sie leitet den Verein Ketani in Linz. Es ist der einzige Verein, der in Westösterreich um Verständnis für "reisende Volksgruppen" wirbt. Sie ist sicher, dass es sich bei der Familie in Innsbruck um Roma aus Italien handelt, denn "aus dem Osten reist fast niemand mehr mit Wohnwagen". Auf der Reise sind derzeit die Roma aus Italien. "Es ist kein Wunder, dass sie fliehen", seufzt Martl.
Tirol kann für die Roma nur eine Zwischenstation sein, denn es gibt zu wenige abgelegene Wiesen, um Zeltlager aufzuschlagen. Und sie werden sofort aufgegriffen, da ihre Arbeit verboten ist: das Feilbieten von Waren. Dazu braucht es in der Gewerbeordnung eine Genehmigung der Gemeinde.
Kärnten macht dicht
Kärnten macht bereits dicht: Landeshauptmann Jörg Haider hat angekündigt, einreisende Roma und Sinti sofort nach Traiskirchen schicken zu lassen. In Tirol gibt es keine derartigen Reaktionen. Die Wissenschafterin Elisabeth Grosinger-Spiss belegt in ihren Forschungen, dass Roma und Sinti eigentlich kaum auffallen. "Sehr viele gehen in der Gruppe der Türken und der Menschen aus Ex-Jugoslawien unter. Als eigene Volksgruppe werden sie hier nicht wahrgenommen." Die gängigen Vorurteile gegen sie gibt es dennoch.
Sprachproblem
In Innsbruck bleiben Roma auf Wanderschaft selten länger, schon wegen des Sprachproblems. Bisher suchten viele den Weg nach Südtirol. Dort leben geschätzte 650 Sinti und Roma auf unterschiedlichen Wohnplätzen. Viele sind italienische Staatsbürger und leben seit Generationen in Sozialwohnungen oder speziellen Campingplätzen, wie etwa am Wohnplatz nahe Sigmundskron in Südtirol. Die Volksgruppen werden dort auch nicht mehr als Nomaden angesehen, da meist zumindest ein Familienmitglied geregelter Arbeit nachgeht. Doch auch in Südtirol werden Neuankömmlinge künftig wohl kaum mehr Aufnahme finden.
Kein Platz in Innsbruck
In Innsbruck gibt es keine speziellen Plätze für Roma, und die Campingplatzgebühr können sich die reisenden Familien meist nicht leisten. Eine Lösung wie in Oberösterreich gibt es in Innsbruck nicht: In Braunau existiert ein spezieller Campingplatz für "reisende Volksgruppen".
Es gibt auch keine Anlaufstelle in Innsbruck. Nur der Präsident des Jenischen Kulturverbandes, Alois Lucke, springt ein. Sollten viele Roma und Sinti aus Italien kommen, wird er ihr Ansprechpartner sein. "Obwohl die Jenischen eine andere Volksgruppe sind", betont er, zählen auch sie zu den "reisenden Volksgruppen", im Volksmund "Zigeuner" genannt. (Verena Langegger, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2008)
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