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Von Peter Kleinert
?Die (von Abschiebung bedrohte Roma-) Familie Idic darf in D?sseldorf bleiben und bekommt ein unbefristetes
Aufenthaltsrecht?, verk?ndete die Rheinische Post am 14. August. Ihre Begr?ndung: ?Ministerpr?sident J?rgen
R?ttgers, der den Sohn Ediyan bei der Einschulung am Mittwoch kennen gelernt hatte, schrieb einen Brief an
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Abitur oder Abschiebung?
Von Peter Kleinert
?Die (von Abschiebung bedrohte Roma-) Familie Idic darf in D?sseldorf bleiben und bekommt ein unbefristetes
Aufenthaltsrecht?, verk?ndete die Rheinische Post am 14. August. Ihre Begr?ndung: ?Ministerpr?sident J?rgen
R?ttgers, der den Sohn Ediyan bei der Einschulung am Mittwoch kennen gelernt hatte, schrieb einen Brief an
Innenminister Ingo Wolf mit der Bitte, noch einmal wohlwollend zu pr?fen, ob eine Aufenthaltsgenehmigung m?glich
sei. Das best?tigte die Staatskanzlei auf Anfrage der RP.? Inzwischen ist mehr als ein Monat vergangen. Familie Idic
lebt immer noch von Abschiebung bedroht im Kirchenasyl. Hier ein Interview mit der ?ltesten Tochter der Familie,
Semra, 17 Jahre alt. Die Redaktion.
Semra Idic - steht kurz vor dem Fachabitur
Frage: Ihre Eltern sind zusammen mit Ihnen 1989 aus Serbien nach Deutschland geflohen. Warum? Was waren die
Gr?nde f?r die Flucht?
Semra: Ich war ja noch ein S?ugling, erst 2 Monate alt. Daher kenne ich die Gr?nde nur aus der Erz?hlung. In
Serbien herrschte Krieg. Unser Dorf Bujanovac liegt an der Grenze zu Albanien. Serben und Albaner haben sich
gegenseitig umgebracht und wir Roma lebten in einem Ghetto mitten im Kriegsgebiet. Noch heute warnt das
Ausw?rtige Amt vor illegalen Waffen und Gewalt.
K?nnen Sie das Leben Ihrer Familie in Deutschland beschreiben, bevor Ihr Vater Vlasta und Ihre Mutter Resmi die
Arbeitserlaubnis entzogen bekamen?
Ich will nicht besch?nigen, aber: Wir hatten ein gutes, normales Leben. Einen Alltag, wie ihn die meisten hatten: Mein
Vater hat beim Flughafen bei der Security gearbeitet, meine Mutter im Hotel. Wir hatten eine sch?ne Wohnung.
Wir M?dchen gingen ganz normal zur Schule, mit guten Leistungen, mein Bruder Edijan in den Kindergarten. Wir
hatten (und haben) viele Freundinnen und Freunde. Mein Vater war zudem noch Musiker, hat bei einer ber?hmten
Fanfaren- und Bl?sergruppe mitgespielt, in seinem (deutschen) Sch?tzenverein und bei Hochzeiten.
Familie Idic - ohne den abgeschobenen Vater und die kranke 11-j?hrige Vesna
Fotos: Hubert Ostendorf
Mit welcher Begr?ndung mu?te Ihr Vater Deutschland verlassen, und was waren seine Erfahrungen in Bujanovac?
Seitdem Deutschland und Serbien ein Rahmenabkommen geschlossen hatten - ich wei? nicht wann genau das war -
m?ssen Fl?chtlinge aus Serbien Deutschland verlassen, weil angeblich die Lage wieder sicher ist. Mein Vater wurde
einfach verhaftet und in ein Abschiebekrankenhaus gesteckt. Wir wollten ihn noch einmal sehen und ihm wenigstens
Zigaretten bringen - aber das hat man uns verboten. Mein Vater war am Ende psychisch krank geworden. In Serbien
wird er gar nicht angemessen behandelt. Wer kein Geld hat, kann auch nicht zum Arzt gehen und Roma schon gar
nicht. Weil Papa 17 Jahre in Deutschland war, denken die Serben, er sei reich und helfen ihm gar nicht. Dabei ist er
arm. Seine Behausung im Ghetto ist zerst?rt. Es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Heizung - und im Winter ist
es bitter kalt dort, hat man mir gesagt. Ich war ja noch nie dort. Das Dach der H?tte besteht nur aus einer Plane, wie
ich aus einem Film wei?, den der WDR dar?ber gedreht hat. "Da k?nnen Kinder nicht gro? werden", hat
Stadtdechant Monsignore Rolf Steinh?user, der uns hilft, gesagt. Und das stimmt auch. In Serbien gibt es f?r uns
Roma auch keine Arbeit. Wir Kinder k?nnen nicht zur Schule gehen, da wir kein Serbisch k?nnen und die kyrillische
Schrift nicht beherrschen. Dabei k?nnte ich n?chstes Jahr hier in Deutschland mein Fachabitur machen.
Sie, Ihre Geschwister und Ihre Mutter leben seit einigen Monaten im Kirchenasyl in D?sseldorf. Wie ist es gelungen,
Sie auf diese Weise bis jetzt vor der drohenden Abschiebung zu bewahren?
Wir haben einen gro?en, sehr engagierten Unterst?tzerkreis, der aus ?ber 1.000 Menschen, einzelnen
Kirchengemeinden und den Spitzen der Katholischen und Evangelischen Kirche hier vor Ort besteht. Die Presse hat
uns auch sehr geholfen. Aber ich wei? nicht, ob wir am Ende bleiben d?rfen. Nur das z?hlt ja. Wir haben alle gro?e
Angst, k?nnen kaum noch schlafen, sind immer krank und weinen viel.
Unter welchen Bedingungen leben Sie heute? M?ssen Sie weiter bef?rchten, wie Ihr Vater abgeschoben zu werden?
Oder trifft die Meldung der Rheinischen Post vom 14.8. zu, da? Sie ein unbefristetes Aufenthaltsrecht bekommen
werden, nachdem Ministerpr?sident R?tgers Ihren Bruder Ediyan zuf?llig bei dessen Einschulung kennen gelernt
hat.
Wir leben st?ndig in provisorischen Verh?ltnissen. Innerhalb k?rzester Zeit sind wir nun schon vier Mal umgezogen,
weil die Kirchengemeinden uns immer nur f?r begrenzte Zeit aufnehmen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will
nicht undankbar sein.
Ob der Einsatz von Ministerpr?sident Dr. R?ttgers am Ende helfen wird, bleibt abzuwarten. Derzeit liegt die Sache
beim Innenminister. Wir hoffen, dass er das Ausl?nderamt in D?sseldorf anweist, seinen gesetzlichen
Ermessensspielraum auszusch?pfen und uns endlich ein Bleiberecht zu gew?hren. Leider kann es aber auch sein,
dass der Innenminister den Fall einfach nur an das Ausl?nderamt zur?ck gibt und unser "Fall" dann vom
Verwaltungsgericht entschieden wird - Sie wissen ja, vor Gericht ist man wie auf hoher See, wie man so sagt,
n?mlich allein in Gottes Hand.
Am 22.9. werden wir mit den Unterst?tzern eine Demo machen. Die beginnt um 16 Uhr am Apollotheater. Wir
werden am Ende dem Innenminister einen Offenen Brief ?bergeben und ihn darin bitten, sich f?r unser Bleiberecht
einzusetzen. Das hat ihm ja auch der Ministerpr?sident empfohlen, und daran wollen wir den Innenminister erinnern.
Kontakt:
http://www.nrhz.de
info@nrhz.de
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